Vögel im Hausgarten und Umfeld

Beiläufige Zählungen der im Hausgarten einschließlich der Nachbarschaft im Umkreis von 50 Metern bemerkten Vögel ergaben 98 Arten im Jahr 2009. In dem ortsrandnahen Siedlungsausschnitt verweilten 72 zumindest kurzzeitig, die übrigen 26 durchquerten ausschließlich den Luftraum über dem ca. 8.000 m² großen Betrachtungsraum. 32 bis 40 Spezies mit insgesamt 63 bis 71 Paaren bzw. Revieren unternahmen den - trotz erheblichen Feinddruckes - offenkundig vielfach erfolgreichen Versuch der Fortpflanzung. Selbst wenn man das durch Nisthilfen geförderte Brüten etwa der Mehlschwalben „herausrechnet”, übertrifft dieses Ergebnis die in der bundesweit vorherrschenden „Normallandschaft”, also in land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen, festzustellenden Arten- und Siedlungsdichten sehr deutlich. Es bestätigt die in zahlreichen anderen Untersuchungen gefundene Attraktivität suburbaner Lebensräume. Sie resultiert vor allem aus der Strukturvielfalt, also den vergleichsweise ausgewogenen Anteilen von Gebäude- und Freiflächen, niedrigwüchsiger bis lückiger Bodenvegetation und zerstreut verteiltem Baum- wie Strauchbewuchs. Dominiert eine dieser Komponenten übermäßig, sinken erfahrungsgemäß Arten- und meist auch Brutpaardichte. Es fällt weiterhin die auch außerhalb der Fortpflanzungsperiode weitgehend gleichbleibend große Anzahl von Arten und Individuen auf (siehe Diagramm unten) - ausschließlich überhin geflogene Vögel dabei nicht berücksichtigt. Hierin besteht gleichfalls ein deutlicher Unterschied zur „Normallandschaft”, die im Winterhalbjahr mehr oder weniger vollständig geräumt wird.

Zu den örtlichen Besonderheiten mag neben den zahlreichen Nisthilfen ein großes Angebot von (winterlichen) Fütterungen einiger durchaus vogelfreundlicher Zeitgenossen gehören. Beides allein erklärt aber nicht das verbreitet festzustellende Phänomen ganzjährig bemerkenswerter Vogelansammlungen in der Peripherie menschlicher Ballungsgebiete. Hauptursache ist vielmehr der Mangel artspezifischer Biotop-Komplexe und -Requisiten einschließlich erreichbarer Nahrung in den stetig gleichförmiger werdenden „Primärlebensräumen”. Die zunehmende strukturelle Vereinheitlichung der „freien Landschaft und des Waldes” veranlasst zwar nicht alle, aber doch auffallend viele Arten vermehrt in Vorstädten und ländlichen Siedlungen zu erscheinen.

Die Tendenz der Feld- und Waldflucht führt bei manchen der Gefiederten zu Verhaltensänderungen, die selbst den Beobachter mit jahrzehntelanger Erfahrung im Felde immer wieder in ungläubiges Staunen versetzen. Das fast alltägliche Erscheinen mindestens einer unserer fünf häufigsten Greifvogelarten auf der nicht selten erfolgreichen Suche nach Nahrung im Biotoptyp „locker bebautes Einzelhausgebiet” gehört bereits seit Jahren zur Normalität. Dennoch beeindruckt immer wieder die Unbekümmertheit des Rotmilans, der sich hier ohne große Scheu unbeholfene Jungvögel greift oder nach der Mahd die dann gut erreichbaren Großkäfer und Regenwürmer aufsammelt. Schon deutlicher verblüfft das Erscheinen von Graureiher oder Eisvogel am nur zwei Quadratmeter großen Gartenteich des Nachbargebäudes. Man reibt sich spätestens dann die Augen oder überprüft seine Hörorgane, wenn sich unweit des Schreibtisches Kornweihe und Ziegenmelker niederlassen, eine Heidelerche tagelang am angelegten Magerrasen neben der Wäschespinne Gefallen findet oder gar ein Wiedehopf zwecks Überprüfung des Niststättenangebotes erscheint.

Eine Liste der 2009 bemerkten Vogelarten mit Phänogrammen zu einzelnen Arten finden Sie hier.

  • Mehlschwalben
  • Grauspecht
  • Grauschnäpper
  • Mäusebussard