09.05.2015

Phänologie und Verhalten flugaktiver Großer Abendsegler Nyctalus noctula - Erkenntnisse aus Planbeobachtungen in den Jahren 2000 bis 2014 am Seeburger See

Thomas Meineke

Fliegende Große Abendsegler lassen sich im südlichen Niedersachsen alljährlich vor allem im Frühjahr und Spätsommer/Frühherbst lange vor Einbruch der Dunkelheit und nicht selten selbst in der Mittagssonne beobachten. Wer diese Gelegenheit zu beharrlich achtsamen Hinsehen nutzt, erlangt Einsichten in das faszinierende Migrationsgeschehen und viele andere erstaunliche Fähigkeiten einer unserer größten Fledermausarten.

Ausgestattet mit kraftvollem Flugvermögen und facettenreichen Sinnesleistungen - inklusive einem für Fledermäuse überdurchschnittlich gutem Sehvermögen - durchstreift der Große Abendsegler den Luftraum, wo und wann immer sich Nahrung in lohnendem Umfange anbietet. Im Frühjahr und Frühherbst, wenn der Energiebedarf besonders hoch ist, regelmäßig auch um die Mittagszeit. Das Nahrungsspektrum reicht von wandernden Beerenwanzen bis hin zu millionenfach dispergierenden Blattläusen. Letztere filtert er aus dem Strom ohne Echoortung heraus. Mit dem Luftplankton steigt er in Höhen weit oberhalb der Sichtbarkeitsgrenze auf. Nicht selten teilt er sich den Jagdraum mit gleichsinnig motivierten Rauchschwalben.

Große Abendsegler wandern auf breiter Front. Zur Rast oder Paarung treffen sie in weitgehend artspezifischen Lebensraumkomplexen zusammen. Im südlichen Niedersachsen erscheinen Große Abendsegler vor allem während der Zugperioden regelmäßig in bedeutender Anzahl.

Zählungen der durchziehenden Großen Abendsegler über Jahre hinweg können Hinweise auf Fortpflanzungs- und Überwinterungserfolg geben. Im hier erfassten Zeitraum deutet sich eine anhaltende Abnahme der Anzahl auf dem Heimzug erscheinender Individuen an. Da die Winter mehrheitlich eher mild ausfielen, kommen statt Tod durch Kälte andere Mortalitätsfaktoren in Betracht. 

Baumhöhlen und Zwischenräume in den Fassaden größerer Gebäudekomplexe bilden in Mitteleuropa wichtige Überwinterungsquartiere. Erhöhter Brennholzbedarf und die durch Förderung vehement vorangetriebenen Wärmedämmmaßnahmen rücken als mögliche Ursachen in den Fokus.

Zweifellos leidet dieser bemerkenswert virtuose Lebenskünstler unter den Fledermäusen in wachsendem Maße unter den Kollateralschäden der Energiewende ...

Quelle

Meineke, T.  (2015): Phänologie und Verhalten flugaktiver Großer Abendsegler Nyctalus noctula (SCHREBER, 1774) im südlichen Niedersachsen in den Jahren 2000 bis 2014. Säugetierkundliche Informationen 9 (49): 403-428. [Zusammenfassung]

Der vollständige Beitrag ist auf Anfrage erhältlich.

 

 

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